1. Weihnachten wird in Polen am 24., 25. und 26. Dezember gefeiert. Die Bescherung findet am 24. Dezember statt. Der Weihnachtsbaum wird an Heiligabend aufgestellt und mit Kugeln, Äpfeln, Lebkuchenfiguren und Lametta  geschmückt. Unter dem Baum wird noch eine Krippe aufgestellt.

 

2. Traditionell ist in Polen am 24.12. Fasten angesagt, was aber nur bedeutet, dass an dem Tag kein Fleisch gegessen wird ;)

Zuerst wird eine Suppe verspeist: Je nach Familienbrauch und Region ist es entweder: Rote-Bete Suppe (Barszcz), Pilz- oder Fischsuppe. Danach folgen weitere Speisen, es müssen insgesamt 12 sein (wie die 12 Apostel).

Typisch sind an dem Tag: Karpfen aller Art (gebraten, gebacken, Karpfensülze, auf jüdische Art, etc.), Fisch "auf griechische Art" (so nennt man das bei uns, was aber in Griechenland nicht bekannt ist ;)). Des Weiteren gibt es noch Sauerkraut mit Pilzen oder mit Erbsen, Hering in Öl oder in Sahne, Piroggen, polnischer Gemüsesalat, Nudeln mit Mohn und Honig, sogenanntes ‚Kutia‘, Käsekuchen, Mohnkuchen und Kompott aus getrocknetem Obst.

Am 25. und 26. kommen dazu noch die Fleischgerichte. Auch Bigos, Schinken, Pasteten und Gebratenes gibt es.

Bevor man sich aber dem essen widmet, teilt man einen Oblaten… Also: Jeder kriegt einen Oblaten und dann tauscht der Reihe nach jeder mit jedem Wünsche für das kommende Jahr aus. Anschließend bricht man ein Stück des Oblaten von den anderen ab (manchmal bricht der eine oder andere auch in Tränen aus).

Auf dem Tisch ist außerdem immer ein Gedeck zu viel. Dieses ist für den Wanderer – alte Sitte, an dem Tag wird jeder hereingelassen, der an die Tür klopft und zu Tisch gebeten. Es gab in den letzten Jahren Versuche von unterschiedlichen Journalisten dies auszuprobieren, bei einigen Haushalten klappte es auch tatsächlich. Bei mir Zuhause hat sich noch niemals einer gezeigt/getraut. Außerdem wird unter die Tischdecke noch etwas Heu gelegt (als Andenken an die Krippe in die Jesus gelegt wurde). Wer aus diesem Heu das längste Stück Stroh zieht, hat im kommenden Jahr am meisten Glück.

 

3. Nach polnischer Tradition fängt die Bescherung mit dem ersten Stern am Himmel an, der den Stern von Bethlehem symbolisiert. Erst wenn von allen Speisen etwas probiert wurde, dürfen die Geschenke geöffnet werden. Die lässt entweder der Heilige Nikolaus (Ost/Zentral Polen), der Weihnachtsmann (Westen) oder  das Christkind/Engelchen (Süden) unter dem Weihnachtsbaum. Man singt die Weihnachtslieder und genießt die besondere Stimmung mit der Familie.

Um Mitternacht geht man zusammen zur Messe in die Kirche. Es herrscht übrigens ein Glaube, dass die Tiere am Weihnachtabend um Mitternacht wie Menschen sprechen können. Unser Hund war aber nie in Konversationslaune ;)

 

4. Das Wichtigste ist die feierliche Zeit im Kreise der Familie. Und sich viel Zeit zu nehmen für die Speisen und das besinnliche Zusammensein.

Dominika Görtz